Hilfe für Angehörige bei Alkoholproblemen in der Familie
Sie machen sich Sorgen um einen Menschen in Ihrer Familie und wissen nicht mehr, wie Sie helfen können. Vielleicht erklären Sie Ausfälle, übernehmen Aufgaben oder verschieben Ihre eigenen Bedürfnisse. Auch Ihre Belastung verdient Unterstützung.

Kurz erklärt
Suchtberatung ist auch für Angehörige da – unabhängig davon, ob die betroffene Person selbst Hilfe möchte. Sie können dort Ihre Situation, konkrete Grenzen und nächste Schritte besprechen. Sie müssen weder eine Diagnose stellen noch den Konsum eines anderen Menschen allein kontrollieren.
Sie dürfen für sich selbst Beratung suchen
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen nennt ausdrücklich Angehörige, Freundinnen, Freunde und weitere nahestehende Menschen als Zielgruppe der Beratung. Ein Gespräch kann vor Ort, telefonisch oder online stattfinden. DHS: Angehörige und Mitbetroffene Dafür müssen Sie die betroffene Person nicht erst überzeugen, gemeinsam einen Termin wahrzunehmen.
Ein möglicher Einstieg lautet: „In meiner Familie gibt es Alkoholprobleme. Ich möchte besprechen, was ich tun kann und was mich überfordert.“ Sie müssen beim ersten Kontakt nicht die gesamte Familiengeschichte erzählen. Fragen Sie, wie das Angebot arbeitet und wie mit Ihren Angaben umgegangen wird.
Sorgen ansprechen, ohne einen Beweisprozess zu führen
Bereiten Sie ein oder zwei konkrete Beobachtungen vor, etwa eine ausgefallene Verabredung oder eine Situation, in der Sie Angst hatten. Trennen Sie die Beobachtung von Ihrer Bewertung. „Ich war gestern mit der Aufgabe allein und brauche eine verlässliche Absprache“ ist greifbarer als eine lange Liste von Vorwürfen.
Wählen Sie einen ruhigen Zeitpunkt. Wenn die Person gerade stark beeinträchtigt ist oder aggressiv reagiert, müssen Sie das Gespräch nicht fortsetzen. Ihr Ziel für dieses Gespräch kann klein sein: eine Sorge aussprechen, einen Beratungskontakt anbieten oder die eigene Grenze benennen. Ein einziges Gespräch muss nicht alles lösen.
Unterstützung ist mehr als die Rettung anderer
Das BIÖG beschreibt, wie stark Alkoholprobleme auch das Leben von Angehörigen bestimmen können. Eigene Interessen und Unterstützung außerhalb der Familie sind deshalb wichtige Themen. BIÖG: Unterstützung für Angehörige Das ist kein Vorwurf an Menschen, die bisher viel aufgefangen haben.
- Welche Aufgabe übernehmen Sie freiwillig, welche nur noch aus Angst?
- Wer kennt Ihre Situation und könnte Sie konkret entlasten?
- Welche Zusage können Sie tatsächlich einhalten?
- Was brauchen Kinder oder andere schutzbedürftige Menschen im Haushalt?
Bei Bedrohung oder Gewalt geht Sicherheit vor einem klärenden Gespräch. Holen Sie sich bei unmittelbarer Gefahr Hilfe über 110; bei medizinischen Notfällen über 112.
Eine passende Anlaufstelle auswählen
Für ein Einzelgespräch eignet sich eine Suchtberatungsstelle. Für den Erfahrungsaustausch können Angehörigen- oder Selbsthilfegruppen infrage kommen. Die DHS verweist auf ihr Suchthilfeverzeichnis und die Selbsthilfeverbände. DHS: Angehörige und Mitbetroffene
Geht es vor allem um das Zusammenleben als Paar, finden Sie im Beitrag Partnerschaft und Alkoholabhängigkeit Fragen zu gemeinsamen Absprachen. Eine Beratung darf zunächst allein Ihrer Entlastung dienen.
Quellen und Einordnung
Redaktionell erstellte Orientierung von Abstinenzcheck. Die verlinkten Fachinformationen wurden für diesen Beitrag herangezogen. Keine individuelle medizinische, psychologische oder rechtliche Beratung.
Die Regeln Ihres konkreten Programms und die fachliche Einzelfallbewertung bleiben maßgeblich. Anbieter und Kontakt.


