Langeweile ohne Alkohol: Was Ihren Abend füllen kann
Früher war der Abend mit Trinken ausgefüllt. Jetzt ist zwar mehr Zeit da, aber noch keine Idee, was damit anfangen. Dieses Gefühl verlangt nicht sofort nach einem komplett neuen Leben – zunächst nach einem nächsten, passenden Schritt.

Kurz erklärt
Wenn eine gewohnte Trinkroutine wegfällt, kann eine Lücke entstehen. Überlegen Sie, was Ihnen fehlt: Beschäftigung, Kontakt, Entspannung oder ein Abschluss des Tages. Wählen Sie dafür eine kleine konkrete Aktivität. Starker Suchtdruck oder anhaltende Freudlosigkeit brauchen zusätzliche Aufmerksamkeit.
Was genau fehlt Ihnen am Abend?
„Mir ist langweilig“ kann Verschiedenes bedeuten. Vielleicht möchten Sie jemanden sehen. Vielleicht sind Sie müde, können aber nicht abschalten. Vielleicht fehlt eine Tätigkeit für die Hände. Schreiben Sie zunächst nur auf, welcher dieser Sätze heute am ehesten passt.
Das BIÖG erklärt, dass Trinkgewohnheiten mit bestimmten Situationen und erwarteten angenehmen Gefühlen verknüpft sein können. Wer eine Routine verändert, muss daher oft mehr ersetzen als den Inhalt des Glases. BIÖG: Trinkgewohnheiten verändern Sie brauchen nicht für jeden Abend dieselbe Antwort.
Drei kleine Möglichkeiten statt zwanzig neuer Hobbys
Stellen Sie sich eine kurze persönliche Auswahl zusammen. Die folgenden Beispiele sollen die Entscheidung erleichtern, nicht Ihren Tag mit Pflichten füllen:
- Wenn Kontakt fehlt: Einer bekannten Person einen konkreten Spaziergang oder ein Telefonat vorschlagen.
- Wenn Beschäftigung fehlt: Ein kleines, überschaubares Projekt anfangen – etwa etwas kochen, zeichnen, reparieren oder ein Instrument üben.
- Wenn Ruhe fehlt: Ein Hörbuch, eine ruhige Tätigkeit oder eine Pause ohne weitere Aufgaben ausprobieren.
Bereiten Sie den ersten Schritt vor: Zutaten aufschreiben, Material hinlegen oder eine Uhrzeit verabreden. „Ich beschäftige mich irgendwie“ lässt mehr offen als „Nach dem Essen zeichne ich zehn Minuten“. Die Zeitangabe ist ein frei gewähltes Beispiel, keine therapeutische Vorgabe.
Langeweile und Suchtdruck sind nicht dasselbe
Wenn Ihre Gedanken immer wieder um Alkohol kreisen und Sie konkret konsumieren möchten, behandeln Sie das nicht nur als Freizeitproblem. Nutzen Sie Ihren vereinbarten Unterstützungsplan oder sprechen Sie eine vertraute Person beziehungsweise Beratungsstelle an. Der Beitrag über Suchtdruck hilft, diese Situation gesondert zu betrachten.
Auch Bewegung kann eine Option für den Abend sein. Sie ist aber keine Pflicht und sollte nicht dazu dienen, sich für schwierige Gedanken zu bestrafen. Entscheidend ist, welche Aktivität Ihnen tatsächlich guttut.
Wenn Sie an nichts mehr Freude haben
Anhaltende Freudlosigkeit, starke Niedergeschlagenheit oder ein deutlicher Rückzug verdienen eine fachliche Abklärung. Das IQWiG beschreibt, dass depressive Beschwerden je nach Ausprägung unterschiedliche Unterstützung benötigen; Aktivität allein ist nicht immer ausreichend. IQWiG: Wie wird eine Depression behandelt? Mehr dazu steht unter Alkohol und Depression.
Prüfen Sie nach einigen Versuchen, was Ihren Abend etwas leichter gemacht hat. Behalten Sie diese Möglichkeit bei und streichen Sie, was nur zusätzlichen Druck erzeugt. Es geht nicht darum, jede freie Minute produktiv zu nutzen.
Quellen und Einordnung
Redaktionell erstellte Orientierung von Abstinenzcheck. Die verlinkten Fachinformationen wurden für diesen Beitrag herangezogen. Keine individuelle medizinische, psychologische oder rechtliche Beratung.
Die Regeln Ihres konkreten Programms und die fachliche Einzelfallbewertung bleiben maßgeblich. Anbieter und Kontakt.


