Trinktagebuch: Den eigenen Konsum verstehen
„So viel war es eigentlich nicht“ lässt sich im Rückblick schwer überprüfen. Ein Trinktagebuch macht einzelne Situationen greifbar. Es ist kein Zeugnis, in dem gute Noten stehen müssen, sondern eine persönliche Arbeitsgrundlage.

Kurz erklärt
Halten Sie zeitnah fest, was und wie viel Sie getrunken haben, wann das war und in welcher Situation. Ergänzen Sie Stimmung und Anlass, wenn diese eine Rolle gespielt haben. Das BIÖG empfiehlt solche Notizen, um Zusammenhänge zu erkennen. Ein privates Tagebuch ersetzt weder Diagnostik noch einen geregelten Abstinenznachweis.
Diese Angaben reichen für einen brauchbaren Anfang
Sie brauchen keine aufwendige App. Ein Notizbuch oder eine für Sie gut nutzbare Tabelle genügt. Die folgende Struktur ist eine praktische Arbeitshilfe, kein diagnostisch geprüftes Formular:
- Datum und Situation: Zum Beispiel Abendessen, Feier oder allein nach der Arbeit.
- Getränk und Menge: Was wurde tatsächlich getrunken? Glasgröße, Nachschenken und Alkoholstärke nur so genau angeben, wie Sie sie kennen.
- Gedanken und Stimmung: Was war vorher los? Welche Erwartung hatten Sie an das Trinken?
- Verlauf: Was haben Sie bemerkt, und gab es einen Unterschied zwischen Plan und tatsächlichem Konsum?
- Offene Frage: Was möchten Sie beim nächsten Beratungsgespräch ansprechen?
Auch alkoholfreie Tage oder ein starker Trinkwunsch ohne anschließenden Konsum können für Ihre eigene Rückschau wichtig sein. Kennzeichnen Sie solche Einträge eindeutig, statt sie mit tatsächlichem Konsum zu vermischen.
Lieber eine erkennbare Lücke als erfundene Genauigkeit
Das BIÖG empfiehlt, Einträge möglichst zeitnah zu machen und auch Gefühle beziehungsweise Situationen zu beachten. BIÖG: Trinktagebuch und Beobachtung des eigenen Konsums Warten Sie nicht darauf, dass der Tag erst „gut genug“ für die Dokumentation wird. Ein schwieriger Abend kann gerade die Information enthalten, die Ihnen später beim Verstehen hilft.
Wenn Sie eine Menge nicht mehr wissen, schreiben Sie das dazu. Füllen Sie rückwirkend keine scheinbar lückenlose Liste mit geschätzten Wunschwerten. Notieren Sie auch, wenn Sie nachgeschenkte Mengen nicht nachvollziehen können. Unsicherheit offen zu lassen ist hilfreicher als eine ordentlich aussehende, aber unzutreffende Zahl.
Welche Fragen können die Notizen beantworten?
Schauen Sie nach wiederkehrenden Zusammenhängen: Gibt es bestimmte Uhrzeiten, Konflikte oder Erwartungen? Welche Situationen verliefen anders als geplant? Was hat geholfen, einen Trinkwunsch auszuhalten? Nehmen Sie die Beobachtungen in eine Beratung mit, statt aus einer Tabelle allein eine Diagnose abzuleiten.
Eine passende Anlaufstelle finden Sie über das Suchthilfeverzeichnis der DHS. DHS: Suchthilfeverzeichnis Wenn die Notizen für eine MPU-Vorbereitung besprochen werden, bleibt die Unterscheidung wichtig: Eigene Aufzeichnungen sind kein formaler Labor- oder Abstinenznachweis.
Bei möglicher Abhängigkeit nicht allein am Konsum experimentieren
Ein Alkoholentzug kann behandlungsbedürftige und gefährliche Komplikationen verursachen. Alkoholleitlinie: Behandlung des Alkoholentzugssyndroms Wenn Sie eine Abhängigkeit vermuten oder beim Weglassen Beschwerden bekommen, besprechen Sie das Vorgehen ärztlich. Aus dem Tagebuch sollte kein selbst zusammengestellter Entzugsplan werden.
Zum Unterschied zwischen eigener Zielsetzung und MPU-Anforderungen lesen Sie kontrolliertes Trinken oder Abstinenz. Der Beitrag zum Alkoholentzug erklärt, warum fachliche Unterstützung dabei wichtig ist.
Quellen und Einordnung
Redaktionell erstellte Orientierung von Abstinenzcheck. Die verlinkten Fachinformationen wurden für diesen Beitrag herangezogen. Keine individuelle medizinische, psychologische oder rechtliche Beratung.
- BIÖG: Trinktagebuch und Beobachtung des eigenen Konsums
- Alkoholleitlinie: Behandlung des Alkoholentzugssyndroms
- DHS: Suchthilfeverzeichnis
Die Regeln Ihres konkreten Programms und die fachliche Einzelfallbewertung bleiben maßgeblich. Anbieter und Kontakt.


